Parodontitis

Ab 50 Parodontitis?

Ab dem 50. Lebensjahr gehen mehr Zähne durch eine Parodontitis verloren als durch Karies. Die Entzündung des Zahnhalteapparats kann individuell sehr unterschiedlich verlaufen.

Sie ist anfangs jedoch nur selten mit Schmerzen verbunden. Das Zahnfleisch ist etwas gerötet und leicht angeschwollen. Hin und wieder blutet es. Dies können Anzeichen für eine Parodontitis sein. Zahnfleischrückgang, empfindliche Zahnhälse und Mundgeruch zählen ebenfalls zu den Symptomen. „Oftmals liegt eine beginnende Parodontitis bereits in jüngeren Jahren vor. Da sie zunächst nur selten mit Schmerzen verbunden ist, kann sie von den Betroffenen unbemerkt immer weiter fortschreiten“, erklärt Prof. Dr. med. dent. Michael Noack, Direktor der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie des Klinikums der Universität zu Köln. „Gravierende Auswirkungen wie Zahnlockerungen, Eiter oder freiliegende Zahnhälse treten erst später sichtbar zutage, häufig erst in der zweiten Lebenshälfte. Im schlimmsten Fall kann die Parodontitis zum Verlust von Zähnen führen.“

Warnsignale: ernst nehmen und behandeln

Es gilt, eine Parodontitis immer konsequent zu behandeln. Die entzündeten Zahnfleischtaschen sind ein Reservoir für krankmachende Bakterien. Von hier aus können die Erreger weiter in die Blutbahn des Körpers gelangen. Das kann weitreichende Folgen haben. Nachweislich haben Parodontitis und Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems gemeinsame Risikofaktoren. Eindringende Bakterien können sogar Herzerkrankungen auslösen. Ferner beeinflussen sich Diabetes und Parodontitis ungünstig: Menschen mit Diabetes sind anfälliger für bakterielle Infektionen. Umgekehrt kann eine Parodontitis den Diabetes verschlechtern. Zudem weisen einige Studien darauf hin, dass Schwangere mit einer unbehandelten Parodontitis ein höheres Risiko für eine Frühgeburt haben.

Wechseljahre: Zähne brauchen besondere Aufmerksamkeit

Hitzewallungen oder Schlafstörungen sind typische Symptome bei Frauen in den Wechseljahren. Die hormonellen Schwankungen können aber auch zu Zahnfleischentzündungen führen, zur sogenannten hormonellen Gingivitis. Das Zahnfleisch schwillt an, lässt schädigende Stoffwechselprodukte von Bakterien leichter passieren und blutet. Betroffene Frauen putzen häufig seltener und weniger gründlich als zuvor, um Schmerzen und Bluten zu vermeiden. Dies führt zu vermehrtem Belag, der eine Parodontitis fördern kann. Daher sollten Frauen in den Wechseljahren besonders gut auf eine sorgfältige Mundhygiene achten und halbjährlich Kontrolltermine bei ihrem Zahnarzt wahrnehmen.

Parodontitis: Zahnfleischtaschen entstehen

Parodontitis

Merkblatt

Bakterien bilden zusammen mit Nahrungsresten einen Biofilm (Zahnbelag, Plaque) auf der Oberfläche von Zähnen sowie am Zahnfleischrand und Zahnzwischenraum. Wird dieser Belag nicht durch regelmäßige, gründliche Zahnpflege entfernt, entwickelt sich an den betroffenen Stellen bereits nach wenigen Tagen eine Zahnfleischentzündung. Bakterien können in das Zahnfleischgewebe eindringen. Die körpereigene Abwehr, das Immunsystem, reagiert zunächst mit einer Entzündung des Gewebes, einer Gingivitis. Besteht diese Entzündung längere Zeit, kann sie zum Abbau des Zahnknochens und der Zahnhaltefasern, somit zu einer Parodontitis, führen. Es bildet sich dabei ein tieferer Spalt zwischen Zahnfleisch und Zahn. Eine sogenannte Zahnfleischtasche entsteht. Bei weiterem Fortschreiten des Knochenabbaus fehlt dem Zahn zunehmend der Halt. Er lockert sich immer mehr und kann schließlich ausfallen.

Messen bringt Klarheit

Alle zwei Jahre übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten für eine Parodontitis-Vorsorgeuntersuchung. Im Rahmen der zahnärztlichen Kontrolle untersucht der Zahnarzt das Zahnfleisch. Mit einer Sonde tastet er das Gewebe zwischen Zähnen und Zahnfleisch ab. Er misst die Tiefe der Zahnfleischtaschen und kontrolliert, ob das Zahnfleisch blutet oder Anlagerungen auf den Zahnoberflächen vorhanden sind. Die Messwerte ergeben den Parodontalen Screening Index (PSI). Dieser hilft, eine mögliche Parodontitis zu erkennen. Auch Röntgenbilder und genauere Messungen sind zur weiteren Abklärung eines Verdachts auf eine Parodontitis notwendig. So kann er sich ein genaues Bild vom Gesundheitszustand des Kieferknochens machen. Bei aggressiven Verlaufsformen einer Parodontitis kann eine zusätzliche mikrobiologische Bestimmung der Taschenbakterien sinnvoll sein. Eine Patienteninformation der Bundeszahnärztekammer gibt es hierzu unter: https://www.bzaek.de/fileadmin/PDFs/pati/bzaekdgzmk/4_03_mikrobiologischediagnostik.pdf

Rauchen: Warnsignal Zahnfleischbluten bleibt aus

Das Nervengift Nikotin dringt nach dem Einatmen in die feinen Blutgefäße des Zahnfleischs und verengt sie. Das Gewebe wird nicht mehr normal durchblutet. Zahnfleischbluten – ein wichtiges Warnsignal auf eine Parodontitis – bleibt somit aus. Raucher bemerken eine Parodontitis daher meist erst spät. Insgesamt haben Raucher ein vier- bis sechsfach erhöhtes Risiko, eine Parodontitis zu entwickeln und leiden vermehrt unter schweren Parodontalerkrankungen. Auch der Erfolg einer Parodontitisbehandlung ist bei Rauchern deutlich schlechter als bei Nichtrauchern. Ebenso verlieren Raucher häufiger Zähne als Folge einer Parodontitis. Ein Rauchstopp lohnt – nicht nur den Zähnen zuliebe!

Parodontitis – wie vorbeugen?

Die gute Nachricht: Sorgfältige Mundhygiene ein Leben lang beugt Entzündungen vor. Das Zahnfleisch bleibt rosa, fest und gesund. Insbesondere der tägliche und gründliche Gebrauch von Zahnzwischenraumbürsten hilft, Zahnbelag an entscheidenden Stellen zu entfernen. Bei engen Zahnzwischenräumen kann stattdessen auch Zahnseide eingesetzt werden. So entstehen Entzündung und blutendes Zahnfleisch gar nicht erst. Zudem wichtig: Bei halbjährlichen Kontrollen kann der Zahnarzt erste Anzeichen einer Zahnfleischentzündung erkennen und entsprechend behandeln. Eine professionelle Zahnreinigung (PZR) je nach individuellem Bedarf wirkt ebenso vorbeugend. So ist zu erkennen, dass Personen die regelmäßig eine PZR durchführen lassen, bis zu 50 Prozent weniger an einer Parodontitis leiden. Zur sorgfältigen Mundhygiene gehört ebenfalls zweimal täglich mindestens zwei Minuten gründlich Zähneputzen.